Werteorientierte Haltung – warum sie in der Krise so wichtig ist

Werteorientierte Haltung und absolute Integrität sind die Schlüsselfaktoren, um die Krise zu meistern

Werteorientierte Haltung – warum sie in der Krise so wichtig ist

Die aktuelle Krise betrifft Kleinunternehmerinnen, Geschäftsführerinnen und Führungskräfte inhabergeführter mittelständischer Unternehmen genauso wie die Top-Manager und Vorständinnen der Industrieikonen, wie beispielsweise der Energieversorgung sowie der Automobil- und Luftfahrtindustrie.

Alle spüren eine existenzielle Bedrohung. Die Anstrengungen, um die Existenz zu sichern laufen auf Hochtouren. Eine werteorientierte Haltung gerät dabei im Panikmodus in den Hintergrund.

Führungskräfte und UnternehmerInnen verfügen über unterschiedliche mentale Fähigkeiten. In Zeiten maximaler Unsicherheit und täglich steigender Komplexität, braucht es die Fähigkeit mit Widersprüchen umgehen zu können. Der Begriff VUKA-Welt hat nun mit der Corona Krise Gestalt angenommen.

Die Haltung von Führungskräften wird in der Krise sichtbar

Das Handeln von Managerinnen unterliegt grundverschiedenen Wertesystemen und Verhaltensmustern, die auch durch die Unternehmenskultur geprägt sind. Da sind auf der einen Seite die mental starken Unternehmerinnen mit werteorientierter Haltung. Sie übernehmen vollumfassend die Verantwortung für alle Menschen in ihrem Ökosystem. Daher ist ihr Handeln auch in der Krise in einem hohen Maß an Integrität und ethischen Standards ausgerichtet. Diese Standards finden ihren Ausdruck in Anstand, Fairness und Aufrichtigkeit.

Was Unternehmen mit werteorientierter Haltung ausmacht…

Positive Beispiele sind kleine Unternehmen, wie die Caféhaus Betreiber Balz & Balz in Hamburg, die trotz ihrer existenzbedrohlichen Lage, ihre Mitmenschen nicht außer Acht lassen und die Hamburger Obdachlosenhilfe unterstützen.

Dazu gehört ein Global Player wie Cisco, der eines seiner Flagship-Produkte, WebEx als 90-tägige Testversion kostenfrei bereitstellt oder seinen Großkunden anbietet, ihre Rechnungen bis Anfang 2021 zu stunden. Oder die Bahn AG, wo MitarbeiterInnen gemeinsam mit externen PartnerInnen und Dienstleistern gemeinsame Lösungen entwickeln, um die Zusammenarbeit während der Corona Krise vital zu halten.

Der Kreis der integren Unternehmen mit warteorientierter Haltung beschränkt sich nicht nur auf öffentlichkeitswirksame Corporate Values und Supplier Codes of Ethics, sondern lebt und gestaltet diese aktiv. Dazu gehört das pünktliche Bezahlen offener Rechnungen ebenso wie Liquiditätshilfen, die Cisco seinen Kunden anbietet.

Auch die eBay Tochter mobile.de unterstützt Autohändler aktiv. Das Team um CEO Malte Krüger erhebt im April keine Inseratsgebühren für Händler und verlängert das Zahlungsziel für im März erbrachte Leistungen auf 90 Tage.

…und was nicht

Auf der anderen Seite werden Top-Managerinnen und Unternehmer sichtbar, die ihre Firmen ohne Anstand und Rücksichtnahme durch die Krise navigieren. Sie optimieren um jeden Preis. Im Zweifel auch mit unethischem Verhalten. Die rote Linie, die in Corporate Values das gute vom schlechten Verhalten trennt, wird ignoriert. Mietzahlungen werden ausgesetzt und Rechnungen der Dienstleister werden nicht bezahlt. Auch Kunden werden zustehende Gutschriften für stornierte Leistungen, wie beispielsweise ausgefallene Flüge wenn überhaupt, erst mit deutlicher Verzögerung erstattet. Ganz selbstverständlich sichern sie ihre Liquidität mit dem Geld von Kunden und Dienstleistern. Mit der Hybris internationaler Großkonzerne drohen sie bei Zahlungserinnerungen vehement mit der Auflösung der Zusammenarbeit.

Unmoralische Verhaltensmuster gab es bereits im Vor-Corona-Zeitalter und wurden von Lieferanten meist zähneknirschend in Kauf genommen. Jetzt, wo nicht ausgeglichene Forderungen den Untergang eines Unternehmens bedeuten können, bekommt diese Verhaltensweise eine besondere Strahlkraft. Unternehmern wird bewusst, welche negativen Konsequenzen sie durch sanftes Verhandeln in der Vergangenheit zu tragen haben. Dennoch muss sich niemand dieser Situation unterwerfen. Genau jetzt ist ein guter Zeitpunkt, beispielsweise das Forderungsmanagement grundlegend zu optimieren. Und auch das Repertoire der Verhandlungsfähigkeiten auf sachbezogene Verhandlungstechniken kann erweiterte werden. Hier bietet das Harvard Verhandlungskonzept eine solide methodische Grundlage.

5 Tipps für konsequentes Forderungsmanagement

  • Stellen Sie Ihre Rechnungen zeitnah nach Leistungserbringung
  • Vereinbaren Sie in Rahmenvereinbarungen, dass eingeräumte Rabatte ausschließlich für Leistungen gelten, die ohne Zahlungsverzug bezahlt wurden
  • Behalten Sie Ihre offene Postenliste täglich im Blick und senden Sie unmittelbar nach Ablauf des Zahlungsziels eine Zahlungserinnerung bzw. Mahnung und berechnen Sie Mahngebühren
  • Wenn Kunden auch nach mehrfacher Aufforderung nicht zahlen, stellen Sie zeitnah einen Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids.
  • Haben Sie keinen falschen Respekt, Großkunden konsequent zu mahnen. Ein Kunde der Rechnungen nicht zahlt, ist ein Risiko, keine Chance für Ihr Unternehmen

Integre Mitarbeiterinnen sind die Quelle für werteorientierte Haltung in Unternehmen

Die aktuelle Situation erfordert Achtsamkeit und Aufmerksamkeit von uns allen und hohe ethische Standards vor allem an uns selbst zu richten. Der Fall Adidas hat gezeigt, wie dieser hohe Anspruch zu Wirkung und Einsicht geführt hat.

Unternehmen, die im Panikmodus unachtsam agieren, brauchen Kritik von außen, und auch aus dem Kreis der Angestellten. Role-Model für erfolgreiches Intervenieren sind die rund 3.100 Google-Angestellten, die in einem Mahnbrief an CEO Sundar Pachai im Jahr 2018 davor gewarnt haben, das amerikanische Verteidigungsministerium bei der Entwicklung KI-gestützter Waffensysteme zu unterstützen – mit Erfolg.

Einsichtig ist der Google Vorstand auf die Mahnung der Mitarbeiterinnen eingegangen. In einer Stellungnahme hat der Vorstand mitgeteilt, dass es „ein wichtiger Teil unserer Kultur ist, MitarbeiterInnen zu haben, die sich aktiv in die Arbeit einbringen, die wir machen. Wir wissen, dass es viele offene Fragen gibt, wenn es um die Verwendung neuer Technologien geht, deshalb sind diese Konversationen – mit Mitarbeiterinnen wie mit externen Experten – wichtig und nutzen uns.“

Das eigene Handeln intensiv zu hinterfragen und zu reflektieren, sind wichtige Voraussetzungen, um die aktuelle Krise mit Anstand zu meistern. Es braucht eine Balance zwischen dem resignierenden Opfermodus in dem Ohnmacht dominiert und der Haltung des omnipotenten Superheroes. Letzterer greift, wenn es hilfreich scheint, auch zu unethischen Mitteln.

Eine integre Wirtschaft in Deutschland braucht werteorientierte Haltung mit dem Bekenntnis zu ethischem Verhalten. Das wird nicht immer zum Erfolg im klassischen wirtschaftlichen Sinne führen, jedoch zu „Success beyond success“ wie es Fred Kofman in seinem Buch „Conscious Business“ bezeichnet. Der Erfolg, persönliche Stärke, inneren Frieden und Selbstbewusstsein zu erreichen und damit eine werteorientierte Haltung, die zu Verbindlichkeit und Verbundenheit führt.

Eine Verbundenheit, die Autorin und Coach Brigitte Witzer in einem aktuellen Beitrag als zentrales zwischenmenschliches Bedürfnis bezeichnet.

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